Warum kino.to der Contentindustrie keinen Schaden zugefügt hat.

Wie ich bereits in TZ014 darzulegen versucht habe, kann ich nicht verstehen, warum die Contentindustrie sich verhält, wie sie sich verhält (siehe kino.to ). Dass jegliche bisher gegangen Schritte gegen die Nutzer von Filesharing-Netzwerken (die dieses für den Austausch urheberrechtlich geschützten Materials nutzen) und Streaming-Seiten, nichts bringt (und somit völlig sinnfrei sind), zeigt die Tatsache, dass der illegale Tausch von Kulturgütern weiterhin floriert und gedeiht. Ich denke, es ist ein Irrglaube zu sagen, dass durch die Nutzung illegaler Streamingdienste (oder ähnlichem) der Film- und Musikindustrie ein Schaden entstanden ist. Im Gegenteil: Ich vertrete die Theorie, dass Portale wie kino.to den Vertreibern von Filmen und Musik Geld beschert hat und immernoch tut, was sie ohne deren Existenz nicht bekommen hätten. Dies begründe ich wie folgt: Mit den Möglichkeiten kostenlos im Internet Filme zu schauen verhält es sich wie mit dem Fernsehen. Menschen können dort kostenlos (Privatsender) oder für einen festen Betrag im Monat (Öffentlich-Rechtliche) gelegentlich Spielfilme sehen. Dort schaut man häufig das, wofür einem das Kinogeld einige Jahre vorher, als der Film raus kam, zu viel war (oder man schaut  irgendeinen “Blockbuster”). Stellt sich widererwartend heraus, dass der Film, den man einige Jahre zuvor nicht für Geld im Kino sehen wollte, durchaus gut und unterhaltsam ist, gehen viele Menschen den Weg, dass sie sich den Film auf DVD (BR etc.) kaufen. So, nun potenzieren Streamingdienste diese Möglichkeiten, da der Anteil der jungen Generation, der noch Fernsehen schaut immer weniger wird und diese Leute immer mehr ins Internet abwandern. Es könnte also sein, dass das Internet insbesondere Streamingdienste für Filme oder auch Filesharing-Netzwerke der Ersatz der Jugend für das Fernsehen sind.

Wenn die Content-Industrie nun also schlau wäre, würde sie nicht Dienste wie kino.to vom Netz nehmen, sondern ihren eigenen kostenlosen Dienst (mit Werbefinanzierung) in HD anbieten. Alternativ könnte man auch einen Netflixähnlichen Dienst starten. Die Möglichkeiten dieses System zu Nutzen und sowohl Usern als auch der Industrie zu befriedigen sind mannigfaltig. Ähnliches gilt selbstverständlich für Musik.

Dieser Text ist ein Konglomerat aus verschiedenen Ideen, die ich die letzten Tagen und Wochen per Twitter und verschiedenen Blogs wahrgenommen habe. Es sind also nicht explizit MEINE Theorien, aber ich vertrete sie.

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2 Gedanken zu „Warum kino.to der Contentindustrie keinen Schaden zugefügt hat.“

  1. Du sagst, die Content-Industrie solle „ihren eigenen kostenlosen Dienst (mit Werbefinanzierung) in HD anbieten“. Wie stellst du dir das denn vor? Die Variante a la Netflix, bei denen der Nutzer entweder für eine Flatrate oder einen Preis pro Film zahlt gibt es doch schon in dutzenden Angeboten in Deutschland wie Maxdome, Lovefilm.de und Videobuster.de. Etwas neues wären werbefinanzierte Modelle. Natürlich gibt es in den USA Fernsehsender, wie z.B. CBS, die einen großteil ihrer Serien kostenlos im Internet anbieten. Aber diese Angebote sind zahlreichen Beschränkungen unterstellt. Zum einen kommen die Serien erst nach ihrer Ausstrahlung im Fernsehen heraus und vor allem handelt es sich dabei gar nicht um Kinofilme (zumindest keine aktuellen). Es scheint also einen grundsätzlichen Unterschied zwischen Serien und Filmen zu geben. Während das Online-Angebot von Serien eventuell noch dazu führt, dass die Zuschauer der Serie treu bleiben, weil sie keine Folgen mehr verpassen können, entstehen beim Kinofilm reale Schäden. Früher, als die Qualität von Online-Streams noch wesentlich schlechter war als heute, waren viele Leute der Meinung, sie müssten die Filme, die sie schon illegal im Internet sahen, noch einmal im Kino bei „guter“ Qualität sehen. Dieses Argument verschwindet aber heute immer mehr, seit dem Dienste wie Rapidshare & Co. das herunterladen bei voller Bandbreite ermöglichen. Die traurige Realität ist einfach, dass Jugendliche heute ihr Taschengeld für einen Premium-Account dieser Anbieter ausgeben, anstatt davon die Urheber der Werke zu bezahlen, wodurch ganze Teilbranchen in Kunst & Film vor dem Aussterben bedroht sind.. Deshalb denke ich, wird es immer wichtig sein für die Content-Industrie, jegliche Form der Raubkopie zu kriminalisieren. Auf der anderen Seite sollte die Industrie aber auch beginnen die abfallenden Kunden durch drastische Preissenkungen wieder zurückzugewinnen. Ich denke also ein radikaler Weg kann hierbei keinen Erfolg haben, sondern nur eine Kombination aus „Zuckerbrot und Peitsche“.

  2. Ich hatte mir einen ähnlichen Service wie Hulu, nur halt für Filme vorgestellt, der Filme mir Werbeeinblendungen zeigt. Ähnlich funktionierte das ja auch bei kino.to. Die Macher der Seite haben mit dieser Methode viel Geld eingenommen. Warum sollte sich das die Filmindustrie entgehen lassen.

    Dass es sich nicht lohnt „Raubkopien“ zu kriminalisieren, haben die letzten 10 Jahre gezeigt. Abgesehen davon, dass die Strafen dafür immer drakonischer und maßloser werden, könnte diese Methode nicht gegen die eigentliche Sache ausrichten. Immer mehr Menschen nutzen diese Möglichkeiten.

    Kannst du belegen, dass der Filmindustrie Schäden dadurch entstanden sind? Wie gesagt, ich denke, dass durch solche Möglichkeiten auch die Popularität von vermeintlich unpopulären Filmen steigt und dadurch mehr Leute diese Filme kaufen, wenn sie ihnen wirklich gefallen.

    Ich gehe davon aus, dass eventuell rückgängige Kaufzahlen von Filmen (sei es Kino oder Datenträger) hauptsächlich Schuld der Filmindustrie sind, da sie das neue Zeitalter des Internetstreamings und Onlinekauf von Filme verschlafen haben und keine entsprechenden Dienste anbieten. Würde man dem Kunden entgegenkommen anstatt ihn als Verbrecher darzustellen, wäre das wesentlich fruchtbarer…auch wenn das nicht passieren wird.

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