Definition von Leistung

Bezug: Diskussion von @343max und @plomlompom vom 23.03.2012 darüber ob/warum eine Putzfrau weniger nach Leistung bezahlt wird, als ein Künstler (oder eben nicht)

@343max scheint der Ansicht zu sein, dass ein Künstler der etwas erschafft (soweit das möglich ist) auch nach der Veröffentlichung seines Werkes bezahlt werden soll; nämlich jedes mal dann, wenn jemand eine Kopie davon erwirbt. Die erwähnte Putzfrau hingegen erbringt (soweit ich das Verstanden habe) eine Leistung, für die sie einmalig nach Vertrag bezahlt wird. Sie wird aber eben auch immer nur dann bezahlt wenn sie ihre Arbeit des Reinigens verrichtet hat.

@plimlompom stellt, so wie ich das sehe, Künstler und Putzfrau auf eine „Leistungsebene“. Sprich: Auch die Putzfrau hat einen Anspruch darauf, dass ihr Werk (z.B. ein sauberer Fußboden) Nachhaltigkeit genießt und jedes mal wenn jemand ihr Werk genießt (also z.B. den Fußboden betritt) entlohnt wird.

Jetzt ist halt die Frage: Was ist denn Leistung? Letztendlich besteht die Leistung des Künstlers darin sein Werk zu schaffen. Und dafür wird er ja nach Vertrag bezahlt. Warum sollt er also jedes weitere Mal bezahlt werden, wenn jemand sein Werk hört/haben will. Seine Leistung ist also eigentlich in dem Moment, wo das Album oder was auch immer veröffentlich wird, beendet. Bei der Putzfrau hingegen fließt kein weiteres Geld, obwohl Leute ihr „Werk“ weiterhin genießen.

Ist denn die Leistung der Putzfrau weniger wert, als die des Künstlers? Oder umgekehrt?

Solange wir nicht genau sagen können, was Leistung ist, die bezahlt werden soll/muss, kommen wir in der Diskussion nicht weiter.

Warum kino.to der Contentindustrie keinen Schaden zugefügt hat.

Wie ich bereits in TZ014 darzulegen versucht habe, kann ich nicht verstehen, warum die Contentindustrie sich verhält, wie sie sich verhält (siehe kino.to ). Dass jegliche bisher gegangen Schritte gegen die Nutzer von Filesharing-Netzwerken (die dieses für den Austausch urheberrechtlich geschützten Materials nutzen) und Streaming-Seiten, nichts bringt (und somit völlig sinnfrei sind), zeigt die Tatsache, dass der illegale Tausch von Kulturgütern weiterhin floriert und gedeiht. Ich denke, es ist ein Irrglaube zu sagen, dass durch die Nutzung illegaler Streamingdienste (oder ähnlichem) der Film- und Musikindustrie ein Schaden entstanden ist. Im Gegenteil: Ich vertrete die Theorie, dass Portale wie kino.to den Vertreibern von Filmen und Musik Geld beschert hat und immernoch tut, was sie ohne deren Existenz nicht bekommen hätten. Dies begründe ich wie folgt: Mit den Möglichkeiten kostenlos im Internet Filme zu schauen verhält es sich wie mit dem Fernsehen. Menschen können dort kostenlos (Privatsender) oder für einen festen Betrag im Monat (Öffentlich-Rechtliche) gelegentlich Spielfilme sehen. Dort schaut man häufig das, wofür einem das Kinogeld einige Jahre vorher, als der Film raus kam, zu viel war (oder man schaut  irgendeinen “Blockbuster”). Stellt sich widererwartend heraus, dass der Film, den man einige Jahre zuvor nicht für Geld im Kino sehen wollte, durchaus gut und unterhaltsam ist, gehen viele Menschen den Weg, dass sie sich den Film auf DVD (BR etc.) kaufen. So, nun potenzieren Streamingdienste diese Möglichkeiten, da der Anteil der jungen Generation, der noch Fernsehen schaut immer weniger wird und diese Leute immer mehr ins Internet abwandern. Es könnte also sein, dass das Internet insbesondere Streamingdienste für Filme oder auch Filesharing-Netzwerke der Ersatz der Jugend für das Fernsehen sind.

Wenn die Content-Industrie nun also schlau wäre, würde sie nicht Dienste wie kino.to vom Netz nehmen, sondern ihren eigenen kostenlosen Dienst (mit Werbefinanzierung) in HD anbieten. Alternativ könnte man auch einen Netflixähnlichen Dienst starten. Die Möglichkeiten dieses System zu Nutzen und sowohl Usern als auch der Industrie zu befriedigen sind mannigfaltig. Ähnliches gilt selbstverständlich für Musik.

Dieser Text ist ein Konglomerat aus verschiedenen Ideen, die ich die letzten Tagen und Wochen per Twitter und verschiedenen Blogs wahrgenommen habe. Es sind also nicht explizit MEINE Theorien, aber ich vertrete sie.

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